Vom 17. bis 22. August fanden in Hannover erstmals die European Deaf Youth Games statt. Acht Sportarten standen auf dem Programm. Jugendliche mit Hörbehinderung aus verschiedenen europäischen Ländern kamen zusammen, um sich sportlich zu messen, internationale Wettkampferfahrung zu sammeln und neue Freundschaften zu schließen.
Rund 70 Kampfrichterinnen und Kampfrichter unterstützten die Schwimmwettbewerbe im Stadionbad und erhielten dabei die Möglichkeit, ein internationales Multisportevent aus einer besonderen Perspektive zu erleben.
Für die Kampfrichterinnen und Kampfrichter bedeutete die Veranstaltung gleichzeitig, internationale Wettkampfluft zu schnuppern und neue Erfahrungen im Gehörlosensport zu sammeln.
Die European Deaf Youth Games
Die European Deaf Youth Games sollen jungen Sportlerinnen und Sportlern mit Hörbehinderung den Einstieg in den internationalen Sport ermöglichen. Dabei geht es nicht allein um sportliche Leistungen. Die Jugendlichen sollen internationale Wettkampferfahrung sammeln, sich sportlich weiterentwickeln und langfristig an den Leistungssport herangeführt werden.
Gleichzeitig stehen Begegnung und Gemeinschaft im Mittelpunkt. Jugendliche aus ganz Europa treffen aufeinander, lernen andere Kulturen kennen und erleben den Sport als verbindendes Element der europäischen Gehörlosen-Community.
Die Spiele sollen zudem Talente entdecken und ihnen langfristig den Weg in den internationalen Gehörlosensport bis hin zu den Deaflympics ermöglichen.
Gehörlosenwettkämpfe – was ist anders?
Grundsätzlich unterscheiden sich Schwimmwettkämpfe für Gehörlose nur in wenigen Punkten von den bekannten Abläufen.
Eine Besonderheit ist der Start. Zusätzlich zur bekannten Startanlage kommt ein optisches Ampelsystem zum Einsatz. Darüber werden der lange Pfiff, das Kommando „Take your marks“ sowie das Startsignal für die Schwimmerinnen und Schwimmer sichtbar angezeigt.
Eine weitere Besonderheit gibt es bei den langen Strecken ab 400 Metern Freistil. Hier erfolgt bei den letzten zwei Bahnen und fünf Metern kein akustisches Signal. Stattdessen wird ein entsprechendes Schild ins Wasser gehalten.
Neue Erfahrungen für die Kampfrichter
Bereits an den ersten Wettkampftagen war bei vielen Kampfrichterinnen und Kampfrichtern eine Mischung aus Vorfreude und positiver Aufregung zu spüren. Schließlich ist ein internationales Event auch für erfahrene Kampfrichter nicht alltäglich.
Einige Kampfrichterkollegen sammelten beispielsweise ihre ersten Erfahrungen im Callroom. Dort gehörten unter anderem der Check-in und die Kontrolle der Schwimmbekleidung zu den Aufgaben. Gerade am ersten Tag war hier einiges zu tun. Für manche Teilnehmerinnen und Teilnehmer war es der erste internationale Wettkampf überhaupt, bei dem sie einen Callroom durchlaufen mussten. Hinzu kam, dass die jüngsten Schwimmerinnen und Schwimmer mit dem Jahrgang 2014 noch sehr jung waren.
Auch die Zeitnehmer- und Wenderichterobleute hatten vor Wettkampfbeginn etwas mehr zu tun als sonst. Nach jeder Kampfrichtersitzung fand am Beckenrand ein kurzes Teammeeting statt. Dabei wurde das benötigte Equipment bereitgelegt, die Abläufe noch einmal durchgesprochen und letzte Fragen geklärt.

Eine besondere Erfahrung war auch das technische Meeting. Bei internationalen Veranstaltungen werden die bevorstehenden Wettkampfabläufe mit den Trainern, dem Technical Sports Director und den Schiedsrichtern üblicherweise vorab auf Englisch besprochen. Bei den European Deaf Youth Games erfolgte die Kommunikation dagegen über eine Übersetzungskette: Deutsch und Übersetzung in Gebärdensprache. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten die Gebärdensprache entweder direkt verfolgen oder wurden von eigenen Dolmetscherinnen und Dolmetschern begleitet, die wiederum in die jeweilige Landessprache übersetzten.
Eine ungewohnte Ruhe in der Schwimmhalle
Was vielen Kampfrichterinnen und Kampfrichtern während der Wettkämpfe besonders auffiel, war die Ruhe in der Schwimmhalle. Keine Musik, keine Ansagen bei den Vorläufen und eine Kommunikation, die hauptsächlich über Gestik und sichtbare Signale erfolgte. Was zunächst ungewohnt war, wurde von vielen schnell als angenehm und positiv empfunden.
Resümee An allen Wettkampftagen arbeitete das Kampfgericht professionell und souverän und sorgte damit für einen reibungslosen und fairen Wettkampfablauf. Gleichzeitig konnten viele neue Erfahrungen und Eindrücke gesammelt werden.
Einen Eindruck in alle Sportarten im Rahmen der EDYG 2026 in Hannover kann man sich in der Fotogalerie verschaffen: https://edyg.dg-sv.de/?lang=de
Bericht: Sina Zeller

